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schluessel

Gepäck

Das ist nicht der erste Ort, den Amaya ihr Zuhause nannte. Vor etwas mehr als fünf Jahren, da war Saleem noch gar nicht auf der Welt, lebte die Familie nicht unweit von hier. Etwas weiter östlich. Wenige Kilometer. Heute wohnen dort Siedler. Es war Sīdis Haus. Das Haus auf dem Hügel, mit dem großen Hof, wo einst noch Schafe grasten und Olivenbäume blühten. Amaya war klein, der Hof längst leer.



Amaya und Sidis im Hof

Als die Siedler Babas Auto und die Bäume anzündeten, um die Familie zu vertreiben, gaben Amayas Eltern nach. Baba hatte Angst, dass es beim nächsten Mal ein Leben kostet. Er baute eine Bleibe etwas weiter westlicher, gemeinsam mit anderen Familien, die das Dorf verließen. Die israelische Behörde hat ihren Bauantrag abgelehnt. Mit nichts anderem haben sie gerechnet. Aber aus Not baute Baba trotzdem. Eine Wohnung für ihn, eine für Sitti und Sīdi. Viel kleiner als das alte Haus. Aber sicherer und näher an Ramallah. Dann wurde Mama schwanger und Baba brach mit dem letzten Geld nach Jordanien aus. Von dort aus floh er nach Deutschland, um die Familie zu versorgen. Bis heute hat er Saleem nicht getroffen. Sehr bald soll sich das ändern.



Ein Junge aus der Nachbarschaft warf mit einem Stein auf bewaffnete Siedler. Jetzt sitzt er. Terrorismus.



Stein

Bei seiner Festnahme bemerkten die Behörden Amayas Wohnung, die illegalerweise gebaut wurde. Der Abrissbefehl ließ nicht lange auf sich warten. Abgerissen, im eigenen Land. Saleem versteht es nicht. Amaya eigentlich auch nicht.



Abrissbefehl

Sie packen ihre Sachen und nehmen mit, was sie tragen können. Aber Amayas Leben passt in keinen Koffer. Ihr Pech. Sie ist auf dem Weg zum ersten Flug ihres Lebens. Den hatte sie sich eigentlich anders vorgestellt. Zumindest sieht sie ihr Idol: Flugbegleiterinnen. Und Baba. Hoffentlich bald.



Flugzeug

Unter 0,5% erhalten Baugenehmigung

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Weite Teile des besetzten Westjordanlandes liegen unter israelischer Kontrolle. In diesen Gebieten, genannt Area C, müssen Palästinenser*innen einen Bauantrag an die israelische Behörde stellen, bevor sie dort bauen. Da der illegale Siedlungsbau in diesen Gebieten zunimmt und dadurch zahlreiche Bewohner gewaltsame Vertreibung fürchten, ist der Bedarf an Neubauten hoch.

Über 99% der 5.070 gestellten Anträge aus den Jahren 2021 – 2024 wurden abgelehnt (Bimkom). Ist man erstmal illegal vertrieben, ist es quasi unmöglich auf legaler Art im Gebiet weiterzuleben. Die meisten sehen sich darin gezwungen, ohne Erlaubnis zu bauen.

1538 Abrisse in zwölf Monaten

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Ungeachtet des Bedarfs an Wohnraum werden palästinensisch-errichtete Gebäude überproportional abgerissen. Der Grund liegt auf der Hand: Es fehlt an einer Bauerlaubnis. Genau die Bauerlaubnis, dessen Erhalt nur zu weniger als 1% gelingt.

Durchgeführt werden die Abrisse entweder durch israelische Autoritäten oder die Eigentümer werden dazu gezwungen, das errichtete Gebäude selbst abzureißen.

Ein solcher Abriss hat seine Folgen. Betroffene kämpfen mit Armut und Einschränkungen in Gesundheits- und Wasserversorgung sowie Mangel an Sanitäranlagen und einem erschwerten Zugang zu Bildung. Gerade für Kinder sind die Auswirkungen prägend.

Bulldozer

Gleichzeitig wird der völkerrechtlich illegale Siedlungsbau genehmigt und von Regierungsmitgliedern, wie dem ultra-rechten Finanzminister Bezalel Smotrich, unterstützt. Über 30.000 Siedlungenseinheiten wurden, des deutschen Außenministeriums zufolge, im vergangenen Jahr errichtet. Scharfe Verwarnungen aus dem Ausland konnten allerdings wenig dagegen bewirken: Ein Bericht des European External Action Service beschreibt ein 250-prozentiges Wachstum des Siedlungsbaus seit 2018.

Ilegaller Siedlungsbau

Zwei Optionen

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Palästinenserinnen und Palästinenser im Westjordanland bleiben zwei Möglichkeiten.

Entweder:

Flüchtling im eigenen Land.

Im Westjordanland leben über 934.000 registrierte Binnenflüchtlinge in 19 Camps. Dicht bevölkert und ohne Perspektive auf Entwicklung. Auch in den Flüchtlingslagern kommt es zu Konfrontationen mit israelischen Sicherheitskräften.

Oder:

Raus.

Das Land hinter sich lassen und damit auch die Hoffnung, jemals zurückzukehren. Die über 80 Jahre andauernde Resilienz ihrer Vorfahren einfach so aufzugeben, ist der wahrgewordene Alptraum für mindestens 8,36 Millionen geflüchtete Palästinenser*innen. Oftmals schaffen sie es nur ins Nachbarland. Alleine in Jordaninen leben 2,39 Millionen Geflüchtete. Auch dort verweilen sie lange in Flüchtlingcamps. Manche, besonders Wohlhabende, schaffen es ins ferne Ausland, nach Deutschland oder Amerika.

Sie hoffen aus dem Ausland etwas gegen die Gewalt unternehmen zu können. „Survivors Guilt“ ist eine Emotion, die viele von ihnen beklagen. Insbesondere Geflüchtete aus dem Gaza-Streifen.

Verstoßene Menschenrechte

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Verbot der Diskriminierung

Jeder Mensch hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa aufgrund rassistischer Zuschreibungen, nach Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

Des Weiteren darf kein Unterschied gemacht werden aufgrund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebiets, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner Souveränität eingeschränkt ist.

3
Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit

Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit seiner Person.

7
Gleichheit vor dem Gesetz

Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben ohne Unterschied Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz. Alle haben Anspruch auf gleichen Schutz gegen jede Diskriminierung, die gegen diese Erklärung verstößt, und gegen jede Aufhetzung zu einer derartigen Diskriminierung.

13
Recht auf Freizügigkeit und Ausreise

Jeder Mensch hat das Recht, sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen und den Aufenthaltsort frei zu wählen.

Jeder Mensch hat das Recht, jedes Land, einschließlich des eigenen, zu verlassen und in das eigene Land zurückzukehren.

17
Recht auf Eigentum

Jeder Mensch hat das Recht, sowohl allein als auch in Gemeinschaft mit anderen Eigentum innezuhaben.

Niemand darf willkürlich des Eigentums beraubt werden.

Quellen

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  1. Auswärtiges Amt. (o. D.). Statement by the Federal Foreign Office on the approval of further housing units in Israeli settlements in the West Bank. German Federal Foreign Office. Abgerufen am 27. Januar 2026, von https://www.auswaertiges-amt.de/en/newsroom/news/israeli-settlements-west-bank-2748266
  2. Bimkom – Planners for Planning Rights. (2025). JOINT SITUATION REPORT 58 Years of Occupation, The Two-Year War in Gaza. Abgerufen am 27. Januar 2026, von https://bimkom.org/eng/wp-content/uploads/%D7%9E%D7%A6%D7%91-%D7%94%D7%9B%D7%99%D7%91%D7%95%D7%A9-%D7%90%D7%A0%D7%92%D7%9C%D7%99%D7%AA-2025.pdf
  3. UNRWA (o.D.). Demolition watch Abgerufen am 27. Januar 2026, von https://www.unrwa.org/demolition-watch
  4. UNRWA (o.D.). Jordan Abgerufen am 27. Januar 2026, von https://www.unrwa.org/where-we-work/jordan
  5. The Norwegian Refugee Council. (2025, 2. Oktober). West Bank: Record Number of Demolitions over Building Permits as Israel Furthers Annexation Agenda. Inter Press Service. Abgerufen am 27. Januar 2026, von https://www.ipsnews.net/2025/10/west-bank-record-number-of-demolitions-over-building-permits-as-israel-furthers-annexation-agenda/
  6. UNRWA (o.D.). West Bank Abgerufen am 27. Januar 2026, von https://www.unrwa.org/where-we-work/west-bank.