Amaya und Saleem stammen von einer generationenalten Hirtenfamilie ab. Sīdou erzählt gerne von seinen Schafen. Gemeinsam mit seinem Vater zeihte
er sie groß. Das Melken bereitete ihm wenig Freude. Auch beim Scheren hatte er immer Angst, das Tier zu verletzen. Am liebsten führte er sie
stundenlang durch die Berge und schaute ihnen beim Grasen zu, während er selbst die Oliven von den umliegenden Bäumen verspeiste.
Er freute sich darauf, eines Tages seinen Sohn zum Hirten zu machen. Er hoffte immer, Baba würde mutiger sein mit den Schafen und das Scheren
übernehmen. Doch die Schafe, der alte Hof – alles ist weg. Und Baba ist in Deutschland. Ohne je ein Schaf geschoren zu haben.
Die Tradition der Hirten ist tief im Westjordanland verwurzelt. Schon in biblischen Erzählungen finden sich Spuren davon. Als Haupteinnahmequelle
der Bedouinen sind diese darauf angewiesen, sich ordnungsgemäß um ihre Tiere zu kümmern. Dazu benötigen die Tiere vor allem eins: Raum zum Grasen.
Seit der Besetzung der palästinensischen Gebiete und der Errichtung des Staates Israels Mitte des 20. Jahrhunderts gestaltet sich das zunehmend
schwierig. Nicht nur müssen die Schäfer auf Land verzichten, sondern werden auch durch Siedlergewalt gegen sie und ihre Tiere bedroht. Dieser Zustand dauert bis heute an.
Eine von – oftmals sehr jungen - illegalen Siedlern genutzte Praxis ist es, ihre eigenen Schafe zum Grasen in die Nähe von palästinensischen Häusern
zu bringen und die Bewohner gewaltsam einzuschüchtern. Sie zerstören die Futter- und Wasservorräte der palästinensischen Hirten und umzingeln ihre Schafe.
Israelische Menschenrechtsaktivisten behaupten, die Siedler tun dies, um ihre Siedlungen auszuweiten. Sie bezeichnen es als eine Form des Terrorismus.
Sollten sich die israelischen Siedler - welche häufig verhaltensauffällig sind und die Schule abgebrochen haben - unwohl fühlen,
eilen bewaffnete Sicherheitskräfte aus den Siedlungen zu ihrem Schutz.
Siedlergewalt trifft auch Tiere und Pflanzen
+
x
Auf Instagram nimmt der junge israelische Aktivist Andrey X seine Follower mit ins Westjordanland. Auf seinem Account (@the.andrey.x)
bezeichnet er sich selbst als unabhängiger Journalist aus Palästina. In zahlreichen Videos dokumentiert er Siedlergewalt gegen die Palästinenser*innen, ihr Eigentum und die Natur.
Triggerwarnung: Blut, grafischer Content.
In einem
Reel vom 23. Dezember 2025 berichtet er von Siedlern, die im Dorf Wadi Jhaish im Süden des Westjordanlands, die zwei Mal innerhalb
von zwei Monaten eine plästinensische Familie im eigenen Heim attackierten. Beide Male wurde ein vier bzw sechs Monate altes Baby mit
Pfefferspray attackiert. Auch wurden beide Male Schafen die Augen ausgehöhlt.
Auch teilt Andrey Beiträge über Siedlergewalt gegen die generationenalten Olivenbäume der Palästinenser*innen. Das Institute of Middle Eastern
Understanding erklärt: Besonders im Herbst - der Erntesaison der Oliven – fürchten Palästinenser*innen Attacken. Nicht nur werden sie selbst körperlich
angegangen, auch die Olivenbäume werden angezündet oder zerstört. In der Erntesaison 2025 wurden laut dem UN-Büro OCHA die meisten Fälle von solcher
Gewalt seit 2020 verzeichnet: Über 4000 Bäume und Setzlinge wurden vandaliziert.
Auch sonst nahm die Anzahl der Siedlergewalt zu: Letztes Jahr zählte das OCHA 1828 verzeichnete Fälle von Siedlerangriffe auf Palästinenser*innen und ihr Eigentum.
Der fünfte Höchststand in Folge.
Menschliche Schutzschilde
+
x
Um die Palästinenserinnen und Palästinenser vor lebensbedrohlichen Attacken der radikalen Siedler zu schützen, bieten einige israelische Aktivist*innen seit den frühen
2000ern eine sogenannte „protective presence“ an. Sie begleiten die Hirten beim Auslaufen ihrer Schafe, die Familien beim Ernten ihrer Oliven oder beim Sammeln vom Wasser.
Übergriffe durch illegale Siedler sichern sie auf Video. Dabei riskieren sie inhaftiert oder gar selbst Opfer eines Angriffs zu werden. Das Risiko nehmen sie auf sich,
denn ein Schweigen angesichts so einer Ungerechtigkeit kommt für sie nicht infrage.
Verstoßene Menschenrechte
3
Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit
Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit seiner Person.
12
Schutz der Privatsphäre
Niemand darf willkürlichen Eingriffen in das eigene Privatleben, die eigene Familie,
die eigene Wohnung und den eigenen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen der eigenen
Ehre und des eigenen Rufes ausgesetzt werden. Jeder Mensch hat Anspruch auf rechtlichen
Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.
Jeder Mensch hat das Recht, sowohl allein als auch in Gemeinschaft mit anderen
Eigentum innezuhaben.
Niemand darf willkürlich des Eigentums beraubt werden.
-
IMEU [theimeu]. (2025, 6. November). Instagram. Abgerufen am 28. Januar 2026, von https://www.instagram.com/p/DQuAxPrjPHb/
-
Mannocchi, F. (2025, May 24). West Bank human shields? The Israelis risking their lives to help Palestinians.
Worldcrunch. https://worldcrunch.com/focus/israel-palestine-war/occupation-west-bank-water-settlers/
-
New York Times Opinion [nytopinion]. (2025, 7. November). Instagram.
Abgerufen am 28. Januar 2026, von https://www.instagram.com/p/DQxSc2rjVW9/
-
Tlozek, E. (2025, 4. August). In the Israeli-occupied West Bank, shepherds and settlers are pushing out locals. ABC News.
Abgerufen am 25. Januar 2026, von https://www.abc.net.au/news/2025-08-04/occupied-west-bank-shepherds-settlers-israel-palestine/105595130
-
UN-OCHA. (2026, 21. Januar). West Bank Monthly Snapshot - Casualties, Property Damage and Displacement | December 2025 United Nations Office For
The Coordination Of Humanitarian Affairs - Occupied Palestinian Territory. Abgerufen am 25. Januar 2026,
von https://www.ochaopt.org/content/west-bank-monthly-snapshot-casualties-property-damage-and-displacement-december-2025
-
X, A. [the.andrey.x]. (2025, 23. Dezember). Instagram. Abgerufen am 28. Januar 2026, von https://www.instagram.com/p/DSm-cIrDBNx/
-
ZDF heute [zdfheute]. (205 n. Chr., November 16). Instagram. Abgerufen am 28. Januar 2026, von https://www.instagram.com/p/DRHdcnQktWG/