Wenn du denkst, Wahnsinn sei etwas Spontanes und Unvorhersehbares, dann warst du definitiv noch nie während des Karnevals in Köln. Denn hier ist der Wahnsinn streng organisiert – und hört auf den Namen: Kölner Karneval.
Der Karneval in Köln ist nicht nur ein Fest. Er ist die zweite Seele der Stadt, ihr Charakter, ihr innerer Rhythmus. Hier beginnt der Spaß offiziell bereits am 11. November um 11:11 Uhr und dauert bis zum Rosenmontag – dem Tag, an dem mehr als 10.000 Menschen in Kostümen, auf Plattformen und in unglaublich geschmückten Wagen durch die Straßen der Stadt ziehen. Diese Parade wird einfach „d’r Zoch” genannt. Sie erstreckt sich über sieben Kilometer und führt durch die ganze Stadt.
Um zu verstehen, wie ein solches Fest möglich wurde, lohnt es sich, einen Blick in die Geschichte zu werfen. Die Wurzeln des Kölner Karnevals reichen bis zu den alten Römern und Germanen zurück. Diese veranstalteten ausgelassene Feste zu Ehren der Götter Dionysos und Saturn oder einfach nur, um den Winter zu vertreiben. Später übernahm die christliche Tradition diese Rituale und verwandelte sie in den Vorabend der Fastenzeit – mit Liedern, Masken und der uneingeschränkten Erlaubnis zum Feiern. So entstand carne vale – „Fleisch lebe wohl!“.
Köln war der Vorreiter der organisierten Fastnacht: schon 1823 gründete sich das Festkomitee, das bis heute das Herzstück des Karnevals bildet. Mit dem organisierten Karneval wollte man dem wilden Treiben der früheren Zeit Ordnung geben – es entstanden feste Abläufe, Garden, Uniformen und die berühmten Sitzungen, die später andere Städte übernahmen.
Dr. Diether Degreif, Vorsitzender des Fördervereins Mainzer Fastnachtsmuseum
Typisch Köln sind die Lappenclowns, die mit ihren bunten Flicken Kostüme bis heute das Straßenbild prägen. Und natürlich die drei unvergesslichen Figuren: Prinz, Bauer und Jungfrau – das Dreigestirn, ohne das kein Kölner Karneval komplett wäre.
Ein Highlight, das es nur hier gibt: die Nubbelverbrennung. Während der Session hängt der Nubbel, eine Strohpuppe, hoch über den Kneipen. Am Aschermittwoch wird er feierlich verbrannt – als Sündenbock für alle närrischen „Sünden“ der Jecken. Ein Ritual, das die kölsche Seele versteht: Erst feiern, dann beichten – aber mit Humor.
🎪 Fester Bestandteil des Kölner Karnevals ist das Dreigestirn: Prinz, Bauer und Jungfrau – wobei die Jungfrau traditionell von einem Mann gespielt wird.
🎪 Der berühmte „Stippeföttchen-Tanz“ (ein lustiger Popo-Klatschtanz) der Roten Funken gilt heute als Symbol karnevalistischer Satire und Klamauk.
🎪 Seit 1860 gibt’s in Köln auch den „Geisterzug“ – einen nächtlichen Karnevalszug voller Gespenster und dunkler Gestalten. Gruselig? Vielleicht. Aber auch ganz schön kultig.
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