Helau Mainz!

Wenn die Uhrzeiger auf 11:11 Uhr stehen, beginnt in Mainz ein ganz besonderes Spektakel. Jedes Jahr am 11. November startet hier die „fünfte Jahreszeit“, und die Hauptstadt von Rheinland-Pfalz verwandelt sich in ein Zentrum von Spaß, Satire – und lauten „Helau!“-Rufen. An diesem Tag wird vom Balkon des Osteiner Hofs feierlich der „Närrische Grundgesetz“ verkündet – elf Artikel des Volks-Karnevalsrechts. Das ist das offizielle Zeichen: Die Fastnacht hat begonnen.


Die Mainzer haben die Fastnacht nicht erfunden und auch nicht in organisierter Form. Wir haben sie übernommen – aus Köln. Dort war man um einige Jahre früher: 1823 wurde das Festkomitee in Köln gegründet. Im frühen 19. Jahrhundert waren die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den großen Städten am Rhein eng. Ein Mainzer Unternehmer sah in Köln die fröhliche, organisierte Fastnacht und brachte die Idee nach Hause. So entstand unsere organisierte Fastnacht – inspiriert von Köln, aber mit eigener Prägung.

Dr. Diether Degreif, Vorsitzender des Fördervereins Mainzer Fastnachtsmuseum

Typisch Mainz ist die politisch-literarische Fastnacht. Hier wird nicht nur gelacht, sondern auch gedacht. In der Bütt darf gesagt werden, was sonst niemand offen aussprechen würde – eine Tradition, die aus der Zeit der französischen Besatzung stammt, als Redefreiheit ein neues Gut war. Die berühmte Eule auf der Bütt symbolisiert bis heute diese Freiheit des Wortes.

Doch Mainz wäre nicht Mainz ohne seine kuriosen Bräuche: Früher gab es bei Sitzungen eine Falltür. Wenn ein Vortrag schlecht war, zog der Präsident am Hebel – und der Redner fiel in ein Bett aus Sägemehl! Später gab’s statt der Falltür einen Sack Mehl über den Kopf. Daher kommt der Spruch „mit seinem Vortrag durchgefallen“.

Auch heute noch hat Mainz seine besonderen Momente: Die Rekrutenvereidigung auf dem Schillerplatz, die Jugendmaskenzüge und natürlich der traditionelle Gottesdienst im Dom am Fastnachtssonntag – so voll ist die Kirche sonst nur an Weihnachten. Ein Gänsehautmoment: Wenn die Orgel und die Gardemusik gemeinsam erklingen und die Narren in bunten Uniformen zwischen den Säulen sitzen.

Am Ende aber ist Mainz vor allem eins: herzlich, fröhlich, ein bisschen frech. Oder wie ein echter Mainzer sagen würde: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht – und das tun wir hier mit Leidenschaft!“

Ein paar spannende Fakten dazu:

    🎪 Der Ausdruck "mit seinem Vortrag durchgefallen" stammt aus der Mainzer Fastnacht: Schlechte Redner wurden früher durch eine Falltür unter der Bütt in ein Sägemehlbett fallen gelassen. Später ersetzte man das durch einen Sack Mehl, der sich über dem Redner öffnete.

    🎪 Der Mainzer Umzug zählt heute zu den drei größten Rosenmontagszügen in ganz Deutschland – und ist längst mehr als nur ein Fest: Er ist ein echtes kulturelles Ereignis.


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