Nämberch Ahaaaa!

Wenn in Deutschland die „fünfte Jahreszeit“ beginnt, steht Nürnberg dem in nichts nach – und zwar mit einem besonderen, historischen Flair. Hier ist der Karneval, oder wie er hier oft genannt wird – Fasching oder Fastnacht, nicht nur ein farbenfrohes Ereignis, sondern eine echte Brücke zwischen den Epochen. Denn gerade in Nürnberg findet einer der ältesten Karnevale der Welt statt, der erstmals 1397 erwähnt wurde.

Der Hauptdarsteller dieses Festes ist ein einzigartiges Phänomen – der Schembartlauf. Seine Ursprünge reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück, als Patrizier, verkleidet als fiktive Figuren, durch die Straßen der Stadt zogen und symbolische Wagen, sogenannte „Höllen“, trugen. In diesen theatralischen Kompositionen – grotesk, allegorisch und manchmal frech, spiegelten sich Themen wie Sünde, Weltlichkeit, politische Satire und Gesellschaftskritik wider. Szenen mit Teufeln, Sündern und sogar Figuren realer Reformatoren auf den Pfannen der Hölle – all das war ein fester Bestandteil der „umgekehrten Welt“ des Fastnachts, in der fast alles erlaubt war.

Und obwohl der traditionelle Schembarlauf im 16. Jahrhundert nach den Protesten der Reformatoren eingestellt wurde (Martin Luther verurteilte ihn übrigens als „gotteslästerliches Spektakel”), lebt der Geist des Festes weiter. Das heutige Nürnberg lässt die Atmosphäre dieser Umzüge sorgfältig wiederaufleben: Ab Anfang November füllen sich die Straßen der Stadt mit Masken, Fahnen und Gelächter, und am Ende des Winters findet die Festparade „Gaudiwurm“ statt, bei der mehr als 60 Karnevalsgruppen und etwa 3000 Teilnehmer eine echte Show veranstalten.

Heute verbindet Nürnberg Tradition und Moderne. Hier trifft man sowohl Masken im Stil des 15. Jahrhunderts als auch Comicfiguren und satirische Plattformen mit Anspielungen auf die aktuelle Politik. Aber das Wichtigste ist das Gefühl der Einheit, der Freude und der leichten Verrücktheit, das die ganze Stadt erfasst.

Interessante Fakten zum Schluss:

    🎪 Der erste dokumentierte Schembartlauf fand 1449 statt.

    🎪 Während des Umzugs wurden oft die Stadtverwaltung und der Klerus verspottet.

    🎪 In den Schembartbüchern (speziellen Chroniken) sind mehr als 80 Beschreibungen der Umzüge erhalten geblieben, einige davon mit anschaulichen Illustrationen.


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