Die Hospizarbeit steht heute vor mehreren bedeutenden Herausforderungen, die sowohl die Qualität der Versorgung als auch die langfristige Existenz von Hospizen gefährden. Besonders der akute Pflegekraftmangel und finanzielle Engpässe stellen potenziell große Probleme dar. Diese Hauptproblematiken werden im Folgenden Kapitel detailliert erläutert.
Flur im Hospiz Lebensbrücke mit dekorativem Bild und Pflanze. Links führt eine Glastür zu einem Balkon.

Der Pflegekraftmangel

Der Pflegekräftemangel in Deutschland ist ein wachsendes Problem, das derzeit mehr als 100.000 offene Stellen betrifft und sich aufgrund demografischer Veränderungen weiter verschärfen könnte. In den kommenden 10 bis 15 Jahren wird der Renteneintritt der Babyboomer-Generation zu einem erheblichen Anstieg pflegebedürftiger Menschen führen. Gleichzeitig wird erwartet, dass weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten, wodurch der Pool an verfügbaren Arbeitskräften weiter schrumpft. Der Arbeitsalltag in der Pflege ist anspruchsvoll und stressig. Zu den wiederkehrenden Herausforderungen zählen eine hohe Arbeitsbelastung, unvorhergesehene Personalengpässe sowie emotionale Belastungen durch den Umgang mit Gästen und deren Angehörigen. Zudem erschwert eine oft unzureichende technische Ausstattung den Arbeitsalltag in Pflegeeinrichtungen. Zusätzlich wird das Berufsbild durch eine als unzureichend empfundene Bezahlung weiter belastet. Das Einkommen wird oft als zu gering im Verhältnis zu den hohen Anforderungen des Jobs empfunden. Diese und weitere Faktoren führen dazu, dass viele Pflegekräfte den Beruf verlassen und tragen zum Rückgang der Neueintritte bei. Besonders in spezialisierten Bereichen wie der Alten-, Intensiv- und Palliativpflege sind die Auswirkungen des Mangels spürbar. Um den Pflegekräftemangel langfristig zu überwinden, sind tiefgreifende Reformen erforderlich, die darauf abzielen, den Pflegeberuf für junge Menschen attraktiver zu gestalten und gleichzeitig eine qualitativ hochwertige Versorgung nachhaltig zu gewährleisten.
Treppenhaus im Hospiz Lebensbrücke, das funktional und schlicht gestaltet ist.

Finanzielle Engpässe

Neben dem akuten Pflegekraftmangel sind finanzielle Engpässe ein weiteres zentrales Problem für viele Hospize. Zwar übernehmen Krankenkassen und Pflegeversicherungen 95 % der Kosten, jedoch bleibt der restliche Teil der Finanzierung ungelöst. Diese Lücke soll durch Spenden und Fördermittel gedeckt werden, doch auch hierbei treten mehrere Herausforderungen auf. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit fällt es vielen Hospizen zunehmend schwer, ausreichende finanzielle Mittel zu akquirieren. Besonders problematisch ist das Fehlen ausreichender Spenden, das oft mit einer allgemein sinkenden Bereitschaft zur Unterstützung von sozialen Einrichtungen einhergeht. Noch schwerer wiegt jedoch das Fehlen langfristiger und stabiler finanzieller Partnerschaften mit Förderern und Unternehmen, die eine verlässliche und nachhaltige Finanzierung gewährleisten könnten. Ohne ausreichende Fördermittel sind Hospize in ihrer Arbeit eingeschränkt. Dies wirkt sich nicht nur auf die Qualität der pflegerischen Betreuung aus, sondern auch auf die Vielfalt der angebotenen Leistungen. In der Folge müssen Hospize in vielen Fällen auf wichtige Unterstützungsangebote verzichten.